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                        Berechnung der gesetzlichen
                        Erwerbsminderungsrente

Neben der Umstellung auf das zweistufige System werden die Erwerbsminderungsrenten um 10,8 Prozent bis 2003 gekürzt. Dies soll vermeiden, dass ältere Arbeitnehmer eine Erwerbsminderungsrente beantragen - statt vorzeitig eine Altersrente zu beziehen, wo heute schon Abschläge für die vorgezogene Rentenzahlung hingenommen werden müssen. Zum Ausgleich wird nach dem neuen Gesetz die Zurechnungszeit zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr wieder voll angerechnet. Bisher wurden sie bei der Ermittlung der Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten nur zu einem Drittel berücksichtigt. Die Höhe Ihres Anspruchs auf eine Erwerbsminderungsrente hängt, wie alle gesetzlichen Renten, in erster Linie von Ihrem Einkommen ab.

Hier ein vereinfachtes Beispiel: Nach einem schweren Bandscheibenvorfall kann ein 35-jähriger Arbeitnehmer nur noch fünf Stunden täglich arbeiten. Er bekommt von seinem Rentenversicherungsträger eine halbe Erwerbsminderungsrente zuerkannt. Diese berechnet sich wie folgt: Der Arbeitnehmer hat jährlich 80.000 Mark brutto verdient, zehn Jahre lang. Zuerst werden die Entgeltpunkte aus der Beitragszeit ausgerechnet:
80.000 Mark : 54.513 Mark (Durchschnittseinkommen) = 1,4675 Entgeltpunkte.
1,4675 Entgeltpunkte x 10 Jahre = 14,675 Entgeltpunkte.

Dann werden die Entgeltpunkte für die Zeit vom Eintritt der Erwerbsminderung bis zum Eintritt in die Altersrente ermittelt, indem das bisherige Einkommen fortgeführt wird. Dies sind die Entgeltpunkte aus der Zurechnungszeit, in diesem Fall vom 35. bis zum 60. Lebensjahr:
1,4675 Entgeltpunkte x 25 Jahre = 36,6875 Entgeltpunkte.

Die Entgeltpunkte aus Beitragszeit und Zurechnungszeit werden zusammen gezählt:
14,6750 Beitrags- + 36,6875 Zurechnungs-Entgeltpunkte = 51,3625 Entgeltpunkte.

Jetzt werden die Entgeltpunkte in die Rentenformel eingefügt. Diese enthält den aktuellen Rentenwert - mit dem steuert die Politik die jährliche Rentenanpassung - und den Rentenartfaktor: in dem Fall für die halbe Erwerbsminderungsrente:
51,3625 Entgeltpunkte x 48,58 Mark.
akt. Rentenwert x 0,5.
Rentenartfaktor = 1.247,60 Mark.

Am Schluss muss noch der Abschlag von 10,8 Prozent abgezogen werden:
1.247,60 Mark - 134,74 Mark = 1.112,86 Mark monatliche Erwerbsminderungsrente.

Der Arbeitnehmer erhält demnach eine monatliche Erwerbsminderungsrente von 1.112,86 Mark. Hätte man ihm nach altem Recht eine Berufsunfähigkeitsrente zuerkannt, hätte er knapp 400 Mark im Monat mehr Rente: 1,4675 Beitrags-Entgeltpunkte x 10 Jahre = 14,650 Entgeltpunkte.

+ 1,4675 Zurechnungs-Entgeltpunkte x 20 Jahre = 29,3500 Entgeltpunkte.

+ 1,4675 verminderte Zurechnungs-Entgeltpunkte x 5 Jahre x 1/3 = 2,4460 Entgeltpunkte.

= 46,4710 Entgeltpunkte x 48,58 aktuellem Rentenwert x 0,6667 Rentenartfaktor.

= 1.505,12 DM monatliche Berufsunfähigkeitsrente.

Findet der Arbeitnehmer aber keine Stelle für drei bis sechs Stunden, erhält er Arbeitsmarkt bedingt die volle Erwerbsunfähigkeitsrente.

1,4675 Beitrags-Entgeltpunkte x 10 Jahre = 14,6750 Entgeltpunkte.

+ 1,4675 Zurechnungs-Entgeltpunkte x 25 Jahre = 36,6875
= 51,3625 Entgeltpunkte x 48,58 aktuellem Rentenwert x 1,0 Rentenartfaktor
= 2.495,19 Mark - 269,48 Mark Abschlag = 2.225,71 Mark.

In dem Beispiel werden weder Anrechnungszeiten für Studium oder Ausbildung berücksichtigt noch für Arbeitslosigkeit oder Kindererziehung. Außerdem ist der 10,8-prozentige Abschlag, der erst 2003 voll berechnet wird, bereits ganz berücksichtigt, obwohl der Durchschnittsverdienst und der aktuelle Rentenwert aus 2000 zu Grunde gelegt wird.

http://www.dwmt.de/dw/images/index.htm